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Johanna Borchert - * Love Or Emptiness - Jazzversion - München

Beginn:
17.12.2017, 20:30 Uhr
Ende:
-

Johanna Borchert - * Love Or Emptiness - Jazzversion in München

Johanna Borchert - Love Or Emptiness - Jazzversion

Es geht um die großen Fragen auf „Love or Emptiness“. Was ist seit dem Urknall mit unseren Gefühlsleben passiert? Warum verhalten sich die Menschen zueinander so, wie sie es tun? Es ist das dritte Solo-Album der Sängerin und Pianistin Johanna Borchert, ihr zweites als Songwriterin, und ihr erstes mit ihrem Berliner Quartett, mit dem sie seit vier Jahren tourt. Eine elektrisierende Mischung aus Pop, Jazz und Experimentellem, kunstfertig, aber nicht verkopft, eingängig, aber nicht oberflächlich. Ein Konzeptalbum, das niemals den Anspruch erheben würde, ein Konzeptalbum zu sein. Als 2014 Johanna Borcherts Album „FM Biography“ erschien, waren die Reaktionen euphorisch. Die Jazzthetik nannte es ein „Meisterwerk“; das Hamburger Abendblatt konstatierte: Ihre „kunstvoll arrangierten Songs sind wie zehn Räume voller Geheimnisse“. Die Krönung war 2015 der ECHO Jazz als „beste Sängerin national“. Oftmals fielen die Namen Laurie Anderson und Björk als Bezugspunkte. Borchert hat keine Probleme mit solchen Vergleichen. „Ich wäre gerne eine Kombination aus beiden.“Wieder sind es zehn Songs, auf „Love or Emptiness“, wieder wirkt die Reihenfolge wie zwangsläufig, als handele es sich um ein langes 40-Minuten-Stück. Borchert baut mit verfremdeten Synthesizern, machtvollen Drums und ihrer darüber schwebenden Stimme erhabene Stimmungen auf, erreicht in den Refrains nahezu cineastische Höhen, um sich gleich wieder ganz zurückzunehmen. „Das einzige, was an meiner Musik Jazz ist, ist die Einstellung“, hat Johanna Borchert gesagt. Auch wenn es der Musikerin nicht darum ging, sich als die studierte Jazzpianistin zu profilieren, die sie ist, ist der Satz eine leichte Untertreibung. Denn eine jazzige Lust an der Improvisation ist der Platte stets anzuhören. So sind die Songs durch Noise und abstrakte Sounds miteinander verbunden. Borchert hat das Album co-produziert mit Olaf Opal, der vor allem für seine Arbeit mit Sportfreunde Stiller und Die Sterne bekannt geworden ist. „Diese fünf Tage im Februar 2016 waren ein einziger Höhenflug“, sagt die Sängerin über die Aufnahmen. „Es war sehr fruchtbar, als Jazzer mit einem Pop-Typen zusammenzuarbeiten. Auch er improvisiert, dreht an den Rädern, ohne zu wissen, was dabei herauskommt.“Die Post-Produktion hat Borchert quasi im Alleingang übernommen, die Songs aber gemeinsam mit ihrem Quartett arrangiert. Kompromisslos. „Wir leben für die Musik. Das heißt, die Musik kommt zuerst, dann das Geld“, sagt die Bandleaderin über die Zusammenarbeit mit Moritz Baumgärtner, Schlagzeug, und Peter Meyer, Gitarre, beide auch Mitglied im Melt Trio, sowie Jonas Westergaard am Bass. „Love or Emptiness“ gibt sich zugänglicher als „FM Biography“, auch wenn sich die Hits am Ende der Platte verstecken. „Wild Bird Tree“ ist ein wunderbar melancholischer Klavier-Pop-Song, und auf dem wuchtigen „Sun Sister“ sind sogar Gitarren zu hören. „Den Song habe ich für meine Schwester geschrieben. Aber es ist nicht bloß eine weibliche Emanzipationshymne, es richtet sich an alle, die sich im Leben behaupten müssen.“ Gleichzeitig empfindsam und stark zu sein, ist ein Thema von Johann Borchert. Auch, weil sie während der Aufnahmen ihre erste Schwangerschaft bemerkte und im Herbst 2016 einen Sohn zur Welt brachte. „Ich habe noch nie in meinem Leben so viel gesungen und gelacht.“„Love or Emptiness“– die beiden Substantive sind für die gebürtige Berlinerin keine Gegensätze. „In der Meditation ist die Leere der ultimative Zustand, die Abwesenheit von allem. Ein Zustand, der auch als pure Liebe beschrieben wird. Wir geben unser Gefühle auf um nur noch zu empfinden. Für mich ist Musik diese zutiefst beglückende Meditation. Voll im Hier und Jetzt sein und total inspiriert.“Musikmachen ist für Borchert eine „Untersuchung des Selbst“. „Ich schreibe Songs, um mich besser kennenzulernen. Und andere natürlich auch.“ Dass alle Menschen eins sind, dichtete schon der persische Mystiker Rumi in seinem Werk, auf das sich Johanna Borchert bezieht. Für Rumi ist das Universum ein harmonisches Ganzes, in dem jeder Teil mit allen anderen in einer Liebes-Beziehung steht. Borchert kann solch überbordende Empathie gut nachempfinden. „Oft habe ich mir Vorwürfe gemacht, Musikerin zu sein, und nicht wohltätig zu arbeiten. Davon habe ich mich gelöst. Schließlich muss jeder bei sich selbst anfangen. Es ist gut, Musik zu machen. Wenn man inspiriert ist, verbreitet man die Energie, die andere Menschen ansteckt.“

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